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Stephanie Robus

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Gesetzlicher Unfallversicherungsschutz im Ausland

Schülerinnen und Schüler stehen bei Klassenfahrten ins Ausland in aller Regel unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Ereignet sich während einer solchen Auslandsfahrt ein Unfall, der mit dem Zweck der Fahrt zusammenhängt und den gesetzlichen Anforderungen eines Arbeitsunfalles im Sinne des § 8 SGB VII entspricht, besteht auch im Ausland Anspruch auf alle medizinisch notwendigen Leistungen. Die Vorschriften des über- und zwischenstaatlichen Sozialversicherungsrechtes stellen sicher, dass bei Auslandsunfällen die notwendigen, sogenannten „Sachleistungen“ zu Lasten des deutschen Unfallversicherungsträgers gewährt werden. Hierbei ist es jedoch wichtig, sich bereits im Vorfeld der Klassenfahrt gründlich zu informieren und die notwendigen Dokumente mitzuführen. Ebenso können zusätzliche private Versicherungen vorteilhaft sein.

Im Folgenden soll anhand eines Falles aus der Praxis verdeutlicht werden, welche Maßnahmen vor der Reise zu treffen sind und wie zu verfahren ist, wenn ein Unfall im Ausland eingetreten ist.

 

Ein Fall aus der Praxis

Die fünfzehnjährige Alexandra verlor bei der Abfahrt im Skilager in Österreich das Gleichgewicht. Dabei stürzte die Schülerin auf ihr linkes Handgelenk. Nach dem Sturz konnte Alexandra weder aufstehen noch konnte sie ihre linke Hand belasten. Sie klagte über starke Schmerzen und es bestand der Verdacht eines Handgelenksbruches. Alexandra musste sofort behandelt werden. Sie wurde umgehend mit der Pistenrettung ins Tal befördert und anschließend in ein österreichisches Krankenhaus eingeliefert. Die Kosten für Pistenrettung, Krankentransport und einen Tag stationäre Behandlung beliefen sich auf 1.480 Euro. Da Alexandra mit ihrer Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) Krankenversicherungsschutz in Deutschland nachweisen konnte, erfolgte die Abrechnung der Krankentransportkosten und der stationären Behandlung direkt über die Sozialversicherung. Die Kosten der Pistenrettung konnten die Eltern der Schülerin erfolgreich bei der vor Reiseantritt abgeschlossenen privaten Auslandsreise-Krankenversicherung geltend machen. Alexandra hatte Glück im Unglück, denn die medizinischen Untersuchungen in Österreich und Deutschland ergaben letztlich keinen Hinweis auf einen Bruch des linken Handgelenkes.

 

Gut vorbereitet ins Ausland

Gesetzlich Versicherte werden mit der Europäischen Krankenversicherungskarte (EHIC) in allen EU-Mitgliedstaaten sowie Island, Liechtenstein, Norwegen und in der Schweiz im medizinischen Notfall ambulant oder stationär im Umfang der für das jeweilige Land geltenden Rechtsvorschriften behandelt. Wer in Deutschland gesetzlich krankenversichert ist, muss die EHIC nicht beantragen. Sie ist automatisch auf der Rückseite der Versichertenkarte aufgedruckt. In unserem Fall erhält Alexandra mithilfe der EHIC medizinische Leistungen nach den in Österreich geltenden Regelungen im dort üblichen Umfang. Um eine ordnungsgemäße ärztliche Behandlung sicherzustellen sowie unnötige Mehrkosten zu vermeiden, sollte die für die Auslandsfahrt verantwortliche Schule vor Reiseantritt sowohl Schüler als auch Eltern auf die Europäische Krankenversicherungskarte (EHIC) hinweisen.

 

Wie an unserem Fall der fünfzehnjährigen Alexandra verdeutlicht, empfehlen wir, zusätzlich eine private Auslandsreise-Krankenversicherung abzuschließen. Über die gesetzlichen Leistungen hinausgehende Wahlleistungen müssen zunächst privat gezahlt werden. Dies gilt insbesondere für Behandlungen bei Privatärzten oder in privaten Krankenhäusern, da diese nicht am so genannten Aushilfeverfahren beteiligt sind und deshalb die Europäische Krankenversicherungskarte nicht akzeptieren. Der UKT verbleibt hierbei nur die Möglichkeit, die entstandenen Kosten in Höhe der Vertragssätze des Gastlandes zu erstatten. Auch die Übernahme von Bergungskosten und Kosten für die Beförderung bis ins Tal (Flugrettung) bei Unfällen in Österreich ist grundsätzlich nicht möglich, da die österreichischen Rechtsvorschriften dies ausschließen. Um in diesen Fällen unnötige Kosten zu vermeiden, empfehlen wir vor Reiseantritt eine private Auslandsreise-Krankenversicherung abzuschießen und sich zusätzlich das „Merkblatt über Leistungen der Krankenversicherung - Urlaub in [Name des Reiselandes]“ von ihrer Krankenkasse aushändigen zulassen bzw. auf der Internetseite der deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung - Ausland einzusehen und auszudrucken (www.dvka.de unter Merkblätter „Urlaub im Ausland“).

 

Einritt eines Schulunfalles im Ausland

Bei einem Schulunfall im Ausland ist prinzipiell ebenso zu verfahren wie im Inland: Die Verantwortlichen vor Ort haben für rasche Erste Hilfe zu sorgen und, soweit erforderlich, für ärztliche Versorgung - nötigenfalls im Krankenhaus.

In der EU sowie in Island, Liechtenstein, Norwegen und der Schweiz können Betroffene sofort zum Arzt oder ins Krankenhaus, wo sie dann nur noch die EHIC vorlegen müssen. Diese berechtigt zum Bezug aller Sachleistungen, die nach dem gesetzlichen Krankenversicherungsrecht dieses Staates gewährt werden. Einzelheiten ergeben sich aus den bereits angesprochenen Merkblättern der jeweiligen Länder. Die behandelnden Ärzte müssen darauf hingewiesen werden, dass voraussichtlich ein Schulunfall vorliegt. Bei schweren Verletzungen ist eine rasche Kontaktaufnahme mit der UKT generell ratsam, um das weitere Vorgehen abzustimmen.

Je nach Fallgestaltung und Schwere der Verletzung kann nach einem Auslandsunfall auch eine Verlegung in ein heimisches Krankenhaus oder der Heimtransport nach der Behandlung angezeigt sein. Zu welchem Zeitpunkt die Verlegung erfolgt und ob die Rückreise im Klassenverband erfolgen kann, entscheidet der behandelnde Arzt. Zu berücksichtigen sind dabei die Gesamtumstände (z.B. Dauer der stationären Behandlung, Art der Verletzung, das Alter des Verletzten und die Transportfähigkeit). Etwaige Mehrkosten können nach den Reiskostenrichtlinien erstattet werden. Um hierbei Missverständnisse zu vermeiden, ist vor dem Transport stets Kontakt mit der UKT aufzunehmen.

 

Kostenerstattung

Insbesondere bei wahlärztlichen Leistungen, in jedem Fall bei Privatkonsultationen, treten die Versicherten in Vorleistung. Nach Vorlage der Originalrechnungen werden wir im Rahmen unserer Leistungspflicht prüfen, ob und in welchem Umfang eine Erstattung Ihrer Aufwendungen in Betracht kommt. Gerade in diesen Fällen ist eine private Auslandsreise-Krankenversicherung vorteilhaft.  

Speziell in Österreich ist darauf zu achten, Vertragsärzte und -kliniken aufzusuchen, die am Aushilfeverfahren in Ihrer Urlaubsregion beteiligt sind. Privatärzte und -kliniken, die nicht am Aushilfeverfahren beteiligt sind, akzeptieren die EHIC nicht. Anschriften von Vertragsärzten, die am Aushilfeverfahren beteiligt sind, finden Sie auf www.aerztekammer.at (Patienten/Arztsuche) unter der Suchoption „Gebietskrankenkasse“.

Ereignet sich der Unfall in einem Land, für das kein internationales Abkommen besteht (z.B. USA), werden die Kosten der ärztlichen Behandlung in angemessenem Umfang übernommen. Die Rechnung des Arztes, Krankenhauses, der Apotheke o.Ä. ist hier prinzipiell zunächst selber zu bezahlen und anschließend bei uns zur Erstattung einzureichen.

 

Unfallanzeige und weitere Informationen

Die Verpflichtung, jeden Unfall mit Arztbehandlung oder Todesfolge innerhalb von drei Tagen anzuzeigen, besteht auch bei Auslandsunfällen. Für die Erstattung der Unfallanzeige ist die für die Durchführung der Auslandsfahrt verantwortliche Fachkraft zuständig. Die Unfallanzeigevordrucke können Sie vorsorglich auf unserer Internetseite www.ukt.de unter der Rubrik Service/Download ausdrucken. Bei schwereren Unfällen empfehlen wir, sich unverzüglich telefonisch mit uns in Verbindung zu setzen.

Zusätzliche Informationen erhalten Sie auf den Internetseiten der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung unter der Rubrik Internationales (www.dguv.de), der Deutschen Verbindungsstelle Krankenversicherung Ausland (www.dvka.de) sowie in der Broschüre „Unfallversicherung bei Auslandsfahrten“, welche Sie sich auf unserer Internetseite unter der Rubrik Service/Publikationen herunterladen können (www.ukt.de).

Für Fragen steht Ihnen gern zur Verfügung:  

Sabine Schuchardt

Teamleiterin Leistungen

Tel. 03621 777-252

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